Frau Merkels Wende

Merkels Wende

Die Koblenzer Atomgegner(innen) feiern Geburtstag! Seit einem Jahr (Juli 2010) demonstrieren sie jeden Montag gegen Atomkraft und für Energiewende.

Begonnen hatte der Protest, nachdem Frau Merkel mit der drastischen Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke ihre Glaubwürdigkeit verspielte.

Der „Koblenzer Montagsspaziergang“ brachte viele Menschen auf die Straße: Aktive aus Umweltverbänden und Oppositionsparteien, aber auch ganz „normale“ Bürger und Bürgerinnen, teilweise mit ihren Kindern, Studenten und Rentner, sogar Unternehmer demonstrierten mit. Sie alle vereint die Sorge um die Zukunft unserer Erde! Sie wollen mit ihrem Protest Frau Merkel die rote Karte zeigen. Egbert Bialk, Initiator und Coordinator des AntiAtomNetz/Koblenz begeistert nicht nur die Koblenzer Teilnehmer, er konnte viele andere Städte zum Mitdemonstrieren gewinnen.

Der Koblenzer Montagsspaziergang wurde zum Vorbild, landes- und bundesweit. Zahlreiche Großdemonstrationen in anderen Städten wurden geplant und gemeinsam durchgeführt. Das ist Demokratie von unten!

Die dramatischen Ereignisse in Fukushima rüttelten die Welt wach. Hunderttausende Atomgegner in mehr als 700 Städten Deutschlands gingen auf die Straße. Umfragen zeigten, 80 % der deutschen Bevölkerung wollen den Ausstieg aus der Atomkraft.
Offensichtlich beeindruckte das Frau Merkel! Ihr Rückwärtssalto in Sachen Atomenergie freute die Koblenzer Atomgegner. Allerdings gehen sie weiter auf die Straße – sie halten den von Frau Merkel beschlossenen Atomausstieg für eine Mogelpackung. Obwohl die 7 oder 8 ältesten und maroden Kernkraftwerke vom Netz gehen, laufen 60 % der AKW weiter, produzieren bis 2022 über 26 000 Tonnen Atommüll, für den es weltweit keine sichere Entsorgung gibt. Dagegen wehren sich die Koblenzer Atomgegner.
Die Sicherheit der am Netz bleibenden Atomkraftwerke ist äußerst fragwürdig. Die Gefährdung der Bevölkerung wird weiterhin billigend in Kauf genommen. Das Leukämie-Risiko für Kleinkinder ist im Nahbereich der Atomkraftwerke um 44 % erhöht, so die Metaanalyse des Wissenschaftlers Dr. Alfred Körbele, August 2011.
Nach Regierungsvorgaben sollen 19 neue Kohlekraftwerke gebaut werden (Information greenpeace), dazu einige Gaskraftwerke. Das aber würde den CO2-Ausstoß immens erhöhen und dem Klima auf Jahrzehnte schaden. Dagegen wehren sich die Koblenzer Atomgegner.
Die Regierung Merkel will Windanlagen auf dem Meer fördern. Offshore-Windparks sind teuer. Um den Strom zum Verbraucher zu bringen, sollen Stromtrassen gebaut werden, s. g. Strom-Autobahnen. Das alles dient nur dem Profit der Konzerne. Im Gegenzug sinkt die Vergütung für Windkraft an Land, Biomasse und Photovoltaik. Der von der Regierung vorgesehene Ausstieg dauert viel zu lange. Die Sicherheitsanforderungen werden nicht verschärft. Die Bundesregierung hält weiter an Gorleben als Standort für Atommüll fest. Dagegen wehren sich die Koblenzer Atomgegner.
Sie treten dafür ein, dass die Kommunen mit ihren Stadtwerken ihre Energieversorgung selbst bestimmen. Mit Blockheizkraftwerken, Nachwärmeversorgung, öffentlichen und privaten Solar- und Windanlagen kann überall Energie nah am Verbraucher erzeugt werden. Das schafft Arbeitsplätze in der Region. Windanlagen an Land, vor allem in Süddeutschland, haben eine große Zukunft. Aber – die kleineren, dezentralen Erneuerbaren Energien müssen vom Staat stärker gefördert, statt gedeckelt und behindert werden! Dafür treten die Koblenzer Atomgegner ein und gehen weiterhin jeden Montag lautstark mit Trommeln und Parolen auf die Straße.
Auch der „Bund Freunde der Erde“ tritt dafür ein, dass bis zum Jahr 2020 rund 50% des Stroms (Frau Merkel will nur 35 %) aus Erneuerbaren Energien kommen. Spätestens 2050 sollte der Strom zu 100 % aus Erneuerbaren Energien sein.
Die Koblenzer Atomgegner wollen nicht auf bessere Gesetze von oben warten. Sie wollen die Energiewende hier vor Ort umsetzen! Sie erwarten von der Stadt Koblenz, dass sie Vorbild wird! Durch Vergabe der Netzkonzession an zukunftsfähige Betreiber, keinesfalls an die Atom- und Kohle-Dinosaurier! Durch energetische Sanierung ihrer Gebäude! Durch Genehmigung von Neubauten nur noch in Null-Energie-Bauweise! Das schützt das Klima, es saniert auch den Haushalt der Stadt Koblenz!
Energiesparen muss Vorrang haben! Die Koblenzer Atomgegner fordern von der Stadt ein umfassendes Programm für die Senkung des Energieverbrauchs auf allen Ebenen: Bei der Verwaltung, in Betrieben, bei der Gebäudesanierung, im Verkehr und in der Landwirtschaft.
Wir alle können etwas tun! Wir können im Haus und Büro überflüssigen Strom einsparen. Wir sollten von unserem Stromlieferanten zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln (falls wir das noch nicht gemacht haben). Es ist kinderleicht und schont Natur und Geldbeutel.
Wir können uns politisch einmischen, in dem wir gemeinsam mit den Atomgegnern demonstrieren. Falls das nicht möglich ist, sollten wir eine der Organisationen unterstützen, die sich für den kompletten Ausstieg einsetzen. Denken wir an die Menschen in Tschernobyl und Fukushima, wir dürfen sie nie vergessen! Sorgen wir dafür, dass uns kein Fukushima ereilt, dass für unsere Kinder und Enkel noch ein Stück unserer Erde erhalten bleibt. Demonstrieren wir weiter für eine atomfreie Zukunft!

www.greenpeace.de – Atomkraftwerke

www.umweltinstitut.org/atom-luegen

www.campact.de

www.bund.net/aktiv_werden/

http://www.bund.net/ccs-stoppen

aerzte-gegen-atomkraft

http://AntiAtomNetzKoblenz.bund-rlp.de

Übrigens: Inge Kroth nimmt regelmäßig an den Montagspaziergängen in Koblenz teil.